Prompt

Aus ZUM Deutsch Lernen

Prompt (englisch für „Eingabeaufforderung“) bezeichnet die sprachliche Eingabe, mit der ein generatives KI-System gesteuert wird. Die Tätigkeit heißt prompten oder Prompting. Da solche Systeme keine Bedeutung verstehen, sondern die wahrscheinlichste Fortsetzung berechnen, hängt die Qualität des Ergebnisses stark davon ab, wie genau die Eingabe formuliert ist. Für den Unterricht in Deutsch als Fremdsprache und Deutsch als Zweitsprache wird das Formulieren von Prompts damit zu einer eigenen Fähigkeit, die sich lehren und lernen lässt.

Aufbau eines Prompts

Ein brauchbarer Prompt beschreibt nicht nur, was gewünscht ist, sondern auch für wen und in welcher Form. Eine bewährte Merkhilfe ist das WWW-Prinzip (nach Bob Blume 2023, für DaF-Lehrende angepasst in der Handreichung des Goethe-Instituts Warschau):

  • Wer? Wer schreibt für wen? (Kontext, Lerngruppe, Niveau)
  • Was? Was soll erstellt werden? (Aufgabenstellung)
  • Wie? In welcher Form? (Textsorte, Sprachniveau, Sprachhilfen)

Ein Beispiel, das alle drei Fragen beantwortet: „Ich unterrichte eine A2-Gruppe mit Jugendlichen. Ich brauche eine kommunikative Übung zu Kausalsätzen mit weil und denn. Die Lernenden sollen die Hauptsätze selbst formulieren. Die Übung soll als Gruppenarbeit funktionieren, ein Beispiel enthalten und sprachliche Hilfen bieten.“

Ein einzelner Prompt führt selten zum fertigen Ergebnis. Üblich ist ein schrittweises Vorgehen, bei dem die Ausgabe geprüft und durch Rückmeldungen nachgesteuert wird, etwa: „Formuliere adressatengerechter für A2 und einfacher.“ Dieses Nachsteuern wird als iterativer Prozess bezeichnet.

Vom einfachen zum gesteuerten Prompt

Je offener eine Eingabe ist, desto eher gibt das Modell sein statistisches Standardergebnis aus. Für die Landeskunde lässt sich daraus eine Progression ableiten:

  1. Offen: „Beschreibe eine typische deutsche Familie.“ Das Ergebnis fällt erwartbar stereotyp aus.
  2. Gesteuert: „Beschreibe eine deutsche Familie mit Migrationsgeschichte in einer ostdeutschen Kleinstadt.“
  3. Vielfaltssensibel: „Beschreibe drei sehr unterschiedliche Familien in Deutschland und mache Herkunft, Familienform und Region sichtbar.“

Mit jedem Schritt steigt die Steuerung und mit ihr die Wahrscheinlichkeit einer differenzierten Ausgabe. Der Prompt wird so zu einem Werkzeug gegen den Bias. Ein Automatismus ist das nicht: Eine pauschale Vielfaltsvorgabe ohne Blick auf den Kontext kann zu unpassenden oder sachlich falschen Ergebnissen führen.

Diese Logik entspricht der Aufgabensteuerung, wie sie die Fremdsprachendidaktik seit Langem beschreibt (siehe Aufgabenorientierung): Eine offene, wenig bestimmte Aufgabe überlässt das Ergebnis der Konvention, eine klar gesteuerte lenkt es.

Bedeutung für den DaF-/DaZ-Unterricht

Prompts werden auf zwei Ebenen relevant.

Für Lehrende sind sie ein Werkzeug der Materialerstellung: Texte auf eine Niveaustufe anpassen, Übungen erweitern, Varianten für die Binnendifferenzierung erzeugen. Entscheidend bleibt die fachliche Prüfung, denn das Modell kennt weder die Lerngruppe noch das Lernziel.

Für Lernende ist das Formulieren eines Prompts eine sprachliche Handlung: Man muss ein Ziel benennen, einen Adressaten mitdenken und eine Form verlangen. Damit lassen sich Prompts als Gegenstand des Unterrichts behandeln, nicht nur als Hilfsmittel. Zwei Praxisstudien aus dem Hochschulbereich zeigen, dass sich diese Fähigkeit gezielt fördern lässt: Cosentino, Sorrentino und Salzmann (2026) begleiteten italienischsprachige Lernende beim Verfassen einer touristischen Broschüre und stützten das Formulieren der Prompts durch schrittweise Hilfen. John (2025) verband an der Universität Oviedo Prompting mit angeleiteter Reflexion und gegenseitiger Rückmeldung. Beide Studien sind universitär und lassen sich nicht unmittelbar auf Schule oder Erwachsenenbildung übertragen.

Wichtiger als der einzelne Satz ist der Arbeitsablauf, in dem er steht: Kontext geben, Material beifügen, mehrfach überarbeiten, Ergebnis prüfen. Wer dem System wenig über Lerngruppe, Niveau und Ziel mitteilt, erhält den Durchschnitt des Modells zurück.

Beispiel aus dem Unterricht

Vom Bild zum Prompt (B1/B2, etwa 45 Minuten). Die Lernenden erhalten ein fertiges KI-Bild, ohne die zugehörige Eingabe zu kennen.

  1. Das Bild wird mit den Redemitteln der Bildbeschreibung genau beschrieben.
  2. In Partnerarbeit wird der vermutete Prompt rekonstruiert und aufgeschrieben.
  3. Im Plenum wird verglichen: Welche Merkmale zeigt das Bild, die niemand verlangt hat?
  4. Aus dieser Differenz wird das Stereotyp sichtbar (siehe Bias).
  5. Die Lernenden schreiben den Prompt so um, dass die fehlenden Perspektiven vorkommen, und erzeugen ein neues Bild.

Das Vorgehen ist induktiv (siehe Entdeckendes Lernen): Das Muster wird nicht erklärt, sondern von den Lernenden selbst aus dem Material abgeleitet. Sprachlich verbinden sich Textverstehen, Textproduktion und Begründen, am Ende steht ein überarbeitetes Handlungsprodukt.

Eine zweite bewährte Form ist das Arbeiten mit Personas (Goethe-Institut Warschau 2025): Die KI erzeugt fiktive, aber realistisch gestaltete Figuren mit Namen, Alter, Herkunft und Interessen, die als Rollenkarten für Sprechanlässe dienen.

Prompt und H5P (ZUM-Apps)

Prompting lässt sich mit freien H5P-Inhaltstypen einüben, bevor die Lernenden selbst an einem KI-Werkzeug arbeiten. Das hat zwei Vorteile: Die Aufgabe funktioniert ohne Anmeldung und ohne personenbezogene Daten, und die Ergebnisse sind für alle gleich, also gemeinsam besprechbar. Fertige Übungen lassen sich über die frei lizenzierten ZUM-Apps veröffentlichen und nachnutzen.

Was geübt wird H5P-Inhaltstyp Beispielaufgabe
Bestandteile eines Prompts erkennen Mark the Words In einem Beispielprompt die Angaben zu Wer, Was und Wie markieren
Einen unvollständigen Prompt ergänzen Fill in the Blanks Lücken (Rollen) füllen, Bildbeschreibung als halboffene Aufgabe
Prompts vergleichen und bewerten Multiple Choice Aus vier Formulierungen die auswählen, die am genauesten steuert
Wirkung einer Formulierung einschätzen True/False Aussagen zu einem Prompt als zutreffend oder nicht zutreffend bewerten
Einen eigenen Prompt schreiben Essay Bildbeschreibung als Prompt formulieren (offene Aufgabe)
Einen eigenen Prompt schreiben Structure Strip Einen Prompt zu einer vorgegebenen Aufgabe strukturiert verfassen, Beispiel hier

Für den Einstieg genügen die ersten drei Zeilen. Die Essay-Aufgabe eignet sich als offener Abschluss, weil sie eine eigene Formulierung verlangt und dennoch eine automatische Rückmeldung geben kann.

Kritik und offene Fragen

  • Ob der Prompt eine eigene Textsorte im fachdidaktischen Sinn ist, wird derzeit diskutiert. Die Einordnung ist plausibel, aber noch keine gesicherte Forschungslage.
  • Prompting ist an Werkzeuge gebunden, die sich schnell ändern. Formulierungen, die heute gut funktionieren, können nach einem Modellwechsel andere Ergebnisse liefern. Sinnvoller als das Auswendiglernen fertiger Formulierungen ist deshalb das Verstehen der Prinzipien.
  • Dieselbe Eingabe liefert nicht dieselbe Ausgabe. Für den Unterricht heißt das: Eingaben vorab erproben und Ergebnisse dokumentieren.
  • Vor dem Einsatz mit einer Lerngruppe sind Datenschutz und Zulässigkeit zu prüfen. Personenbezogene Daten von Lernenden gehören nicht in KI-Werkzeuge.
  • Ein didaktischer Einwand betrifft die Lernwirksamkeit: Wer die KI die Formulierungsarbeit übernehmen lässt, übt sie nicht selbst. Prompting sollte deshalb an Aufgaben gebunden sein, in denen die eigene sprachliche Leistung sichtbar bleibt (siehe Lernerautonomie).

Siehe auch

Literatur

  • Baum, Luisa / Günay, Gülsüm (Hg.) (2025): Künstliche Intelligenz in DaF/DaZ. Berlin: Frank & Timme.
  • Cosentino, Gianluca / Sorrentino, Daniela / Salzmann, Katharina (2026): KI-gestützte Textproduktion im universitären DaF-Bereich. Eine empirische Untersuchung mit italienischsprachigen Lernenden der Mittelstufe. In: Beiträge zur Fremdsprachenvermittlung 70, S. 6–39.
  • John, Sabine (2025): Im Dialog mit dem Algorithmus. Praxisstudie zur Förderung von Prompt-Engineering-Kompetenzen bei DaF-Studierenden. In: Fremdsprachen und Hochschule 102, S. 1–18.

Fachartikel

Weblinks

Verständnischeck: Prompt

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CC BY-SA 4.0