Structure Strip (H5P)
Structure Strip ist ein H5P-Layout-Werkzeug, das Lernende beim Verfassen eines strukturierten Textes unterstützt. Der Inhaltstyp überträgt eine aus dem Papierunterricht bekannte Methode in eine interaktive Umgebung: Ein schmaler Streifen mit Abschnittsüberschriften wird neben das Schreibblatt gelegt und gibt vor, in welchem Längenverhältnis die einzelnen Textteile zueinanderstehen sollen. Entwickelt wurde der Inhaltstyp von Oliver Tacke und 2022 veröffentlicht.
Didaktischer Wert für DaF/DaZ
- Schreibgerüst für Aufsätze und Argumentationen: Structure Strip gibt eine sichtbare Grobstruktur vor, zum Beispiel Einleitung – Hauptteil – Schluss, und hilft, die Länge der Abschnitte im richtigen Verhältnis zu halten. Für DaF/DaZ-Lernende ist das eine wichtige Stütze, weil der Aufbau eines Textes in der Zielsprache oft noch unsicher ist.
- Differenzierung durch Hinweistexte: Zu jedem Abschnitt lässt sich ein eigener Hinweis hinterlegen, der als Pop-up erscheint. So können Lehrkräfte je nach Sprachniveau unterschiedlich ausführliche Formulierungshilfen, Konnektoren oder Leitfragen anbieten.
- Transparenter Schreibprozess: Da Lernende direkt im Werkzeug schreiben und sehen, wie sich die Länge ihres Textes im Verhältnis zu den anderen Abschnitten entwickelt, wird der eigene Schreibprozess sichtbarer und leichter selbst zu steuern.
- Nutzbar als Gerüst für Prompts: Der Inhaltstyp lässt sich auch zweckentfremden, um Lernende beim strukturierten Formulieren von Prompts für KI-Werkzeuge anzuleiten, etwa mit eigenen Abschnitten für Rolle, Aufgabe, Format und gewünschtes Sprachniveau – eine im DaF/DaZ-Unterricht zunehmend relevante Anwendung, bei der man „Prompt schreiben" wie eine eigene Textsorte behandeln kann. Da hier nicht die Länge, sondern die Vollständigkeit der Bausteine zählt, empfiehlt sich eine hohe Toleranz (Slack) und ein Verzicht auf strenge Längenrückmeldung. (siehe Beispiel)
- Einsetzbar mit Medien oder Bildern. Hier einige Beispiele:
- Systematische Bildbeschreibung (klassisches Prüfungsformat, z. B. Goethe B1): Überblick (Wo spielt die Szene, wie viele Personen?) – Vordergrund – Hintergrund und Details – Vermutung, was als Nächstes passiert. Vordergrund/Hintergrund höher gewichten als Überblick und Vermutung, das entspricht dem üblichen Aufbau.
- Ich-Perspektive einer Figur: Wer bin ich? – Was ich sehe – Was ich denke oder fühle – Was ich als Nächstes tue. Guter Perspektivwechsel, ungewohnt für viele Lernende, aber gut steuerbar durch die Hinweistexte.
- Wortschatz strukturiert sammeln (als Sammeln-Phase vor der eigentlichen Beschreibung, passend zum S-O-S-Modell): eigene Abschnitte für Nomen, Verben, Adjektive, Orts-/Präpositionalangaben. Hier sollte die Längenrückmeldung eher deaktiviert oder die Toleranz hochgesetzt werden, da es keine Fließtext-Proportion gibt.
- Vergleich zweier Bildbereiche: Bereich A beschreiben – Bereich B beschreiben – Gemeinsamkeiten – Unterschiede. Gut zum Üben von Vergleichskonnektoren wie „während" oder „im Gegensatz dazu".
- Geschichte zum Bild erfinden: Ort und Zeit – Hauptfiguren vorstellen – Ereignis oder Konflikt – Ende. Klassischer Erzählbogen, Ereignis-Abschnitt am höchsten gewichten.
Beispiele
Formelle E-Mail: Reklamation (DaF/DaZ)
Argumentation: Handys in der Schule (DaF/DaZ)
Ein Samstag in Berlin: Tagesablauf beschreiben (DaF/DaZ)
Ein Samstag in Berlin – Perspektivwechsel schreiben (DaF/DaZ)
Prompt schreiben: KI-Anfragen strukturieren (DaF/DaZ)
Konkretisierung
Ein kurzes Aufgabenblatt (unabhängig vom H5P) mit konkretem DaF-Thema gibt Richtung und macht das Ergebnis vergleichbar, was für einen Wettbewerb nötig ist. Ein paar Beispiele:
Wortschatz-Prompt (Thema: Wohnen, A2/B1)
„Schreibe einen Prompt, mit dem eine KI dir 10 Vokabeln zum Thema Wohnen liefert, jeweils mit Beispielsatz und nach Schwierigkeit sortiert." Wettbewerb: Klasse testet reihum alle Prompts im selben KI-Tool, bewertet dann, wessen Vokabelliste am brauchbarsten für den eigenen Lernstand ist.
Grammatik-Erklär-Prompt (Thema: Perfekt mit haben/sein)
„Formuliere einen Prompt, der die KI bittet, die Regel für 'sein' als Hilfsverb mit drei eigenen Beispielsätzen zu erklären – verständlich für Niveau A2." Wettbewerb: Abstimmung, wessen KI-Antwort die Regel am klarsten erklärt.
Landeskunde-Prompt (Thema: Berlin entdecken)
„Schreibe einen Prompt, der dir eine Stadtführung durch Berlin in fünf Stationen als kurzen Dialog beschreiben lässt, geeignet für Touristen auf B1-Niveau." Wettbewerb: Wer bekommt die informativste oder kreativste Route.
Rollenspiel-Prompt (Thema: Beim Arzt)
„Formuliere einen Prompt, der die KI bittet, mit dir einen Dialog beim Arztbesuch zu simulieren – die KI spielt die Ärztin, du den Patienten." Wettbewerb: Wessen Dialog wirkt am realistischsten, vorgelesen und von der Klasse bewertet.
Kreatives Schreiben (Thema: Tierwortschatz)
„Schreibe einen Prompt, der die KI bittet, eine Geschichte mit maximal 100 Wörtern zu schreiben, in der mindestens acht vorgegebene Tierwörter vorkommen." Wettbewerb: Wer bringt die meisten Zielwörter unter, ohne dass der Text unnatürlich klingt.
Probleme, Lösungen und Tipps
Zu diesem Inhaltstyp gibt es auf ZUM-Apps bislang nur wenige Beispiele – bei Bedarf lohnt sich ein Blick auf H5P.org, wo weitere Anwendungsfälle beschrieben sind.
- Abschnittstitel kurz halten: Da die Titel direkt im schmalen Streifen angezeigt werden, sollten sie knapp formuliert sein. Ausführlichere Erklärungen gehören in den Hinweistext des jeweiligen Abschnitts.
- Gewichtung realistisch verteilen: Die Gewichtung sollte dem tatsächlichen Aufbau der Textsorte entsprechen (z. B. Hauptteil deutlich höher gewichtet als Einleitung und Schluss), sonst wirkt die Längenrückmeldung willkürlich.
- Toleranz für Lerngruppen erhöhen: Der Standardwert von 10 % Toleranz (Slack) kann für DaF/DaZ-Lernende zu eng sein, deren Schreibtempo und Formulierungssicherheit in der Fremdsprache stärker schwankt. Ein Wert von 15–20 % vermeidet, dass sprachlich bedingte Unsicherheit als "falsche" Textlänge markiert wird.
- Nicht mit Platzhaltertext aus wenigen Zeichen testen: Structure Strip berechnet die erwartete Länge relativ zum Abschnitt mit dem höchsten Gewicht. Tippt man beim Testen in allen Abschnitten nur ein bis zwei Buchstaben, kann selbst bei hoher Toleranz die Meldung "zu lang" erscheinen, weil die daraus abgeleitete Zielgröße pro Gewichtspunkt extrem klein ausfällt. Zum Testen der Einstellungen besser mit realistisch langen Beispielsätzen arbeiten.
- Gewichtung nur einsetzen, wenn eine echte Längenhierarchie besteht: Der Abschnitt mit dem höchsten Gewicht dient als Referenzwert für alle anderen. Fällt dieser Abschnitt inhaltsbedingt kürzer aus als ein niedriger gewichteter Abschnitt – etwa weil eine Aufgabenformulierung knapp, eine Formatangabe aber ausführlich ist –, entsteht eine falsche "zu lang"-Meldung, obwohl der Text sinnvoll ist. Bei Textsorten ohne verlässliche Längenhierarchie (z. B. den Bausteinen eines Prompts) empfiehlt sich eine gleichmäßige Gewichtung aller Abschnitte (jeweils 1) statt einer künstlichen Rangfolge.
Hinweise zu H5P-Einstellungen und Tutorials
Im H5P-Editor lässt sich für jeden Abschnitt ein eigener Titel, eine Farbe sowie ein optionaler Hinweistext (als Pop-up) festlegen. Die erwartete Länge eines Abschnitts wird dabei nicht in Zeichen angegeben, sondern relativ über eine Gewichtung im Verhältnis zu den anderen Abschnitten (zum Beispiel: Abschnitt 1 = einfache Länge, Abschnitt 2 = dreifache Länge). Optional lässt sich außerdem eine absolute Mindest- und Höchstzeichenzahl für den gesamten Text festlegen.
Für den Einsatz mit DaF/DaZ-Lerngruppen sind vor allem die folgenden Einstellungen im Bereich "Behavioural settings" relevant:
- Gewichtung (weight) je Abschnitt: Legt fest, in welchem Längenverhältnis die Abschnitte zueinanderstehen sollen, z. B. Einleitung = 1, Hauptteil = 2, Schluss = 1. Damit lässt sich die typische Proportion einer Textsorte (Aufsatz, formelle E-Mail, Stellungnahme) direkt in die Struktur einbauen, ohne dass eine absolute Zeichenzahl vorgegeben werden muss, die je nach Sprachniveau ohnehin unterschiedlich ausfallen würde.
- Toleranz (Slack, Standardwert 10 %): Bestimmt, wie stark ein Abschnitt von der berechneten Ziellänge abweichen darf, bevor eine Rückmeldung als "zu kurz" oder "zu lang" erscheint. Für DaF/DaZ-Lernende empfiehlt sich ein höherer Wert von etwa 15 %, weil Schreibtempo und Formulierungssicherheit in der Fremdsprache stärker schwanken als bei muttersprachlichen Schreibenden. So bleibt die Rückmeldung auf die Textstruktur bezogen, statt sprachlich bedingte Unsicherheit als strukturellen Fehler zu markieren.
- "Retry" aktivieren (enableRetry): Erlaubt es Lernenden, nach einer Rückmeldung weiterzuschreiben und die Längenverteilung erneut zu überprüfen, statt die Aufgabe abzuschließen. Das unterstützt einen iterativen, prozessorientierten Schreibansatz, wie er auch im DaF/DaZ-Unterricht mit eigenen Überarbeitungsschritten verfolgt wird – wichtig, weil Textstruktur meist erst durch Überarbeiten gelernt wird, nicht im ersten Durchgang.
- "Lösung anzeigen" aktivieren (enableSolutionsButton): Zeigt an, welche Abschnitte im Vergleich zur Zielverteilung zu kurz oder zu lang sind. Structure Strip bewertet dabei ausschließlich die Länge, nicht den Inhalt oder die sprachliche Richtigkeit des Textes – die Option ersetzt also keine inhaltliche Rückmeldung durch die Lehrkraft, sondern ergänzt sie um eine Selbstkontrolle der Struktur.
- Rückmeldemodus (feedbackMode): "Bei Bedarf" (onRequest) zeigt die Längenrückmeldung erst nach Klick auf "Überprüfen", "Während der Eingabe" (whileTyping) laufend. Für DaF/DaZ-Lernende ist "Bei Bedarf" meist die geeignetere Wahl, damit die Konzentration beim Formulieren nicht ständig durch Längenhinweise unterbrochen wird.
