Semantisierung
Semantisierung bezeichnet die Vermittlung der Bedeutung eines neuen Wortes oder Ausdrucks im Sprachunterricht. Lernende sollen verstehen, was ein Wort bedeutet, bevor sie es üben und anwenden.
Für die Semantisierung gibt es verschiedene Wege:
- einsprachig, nichtsprachlich: Bilder, Gegenstände, Gestik, Mimik oder Zeichnungen (siehe Visualisierung),
- einsprachig, sprachlich: Umschreibung, Beispiele, Synonyme, Gegensätze oder Wortfamilien,
- zweisprachig: Übersetzung in die Erstsprache oder eine Brückensprache.
Bedeutung für den DaF-/DaZ-Unterricht
Bei der Wortschatzeinführung entscheidet die Lehrkraft, welcher Weg zu Wort, Niveaustufe und Lerngruppe passt. Konkrete Begriffe (Tisch, laufen) lassen sich oft einsprachig zeigen, abstrakte Begriffe (Gerechtigkeit) mitunter schneller über eine Übersetzung klären. Die Wahl beeinflusst Zeitaufwand, Verständlichkeit und Behaltensleistung und bereitet die spätere Wortschatzarbeit vor.
Beispiel aus dem Unterricht
Das Wort Regenschirm wird über ein Bild oder einen echten Schirm eingeführt statt über eine Übersetzung. Für obwohl zeigt die Lehrkraft ein Satzpaar an der Tafel: „Es regnet. Wir gehen spazieren." → „Wir gehen spazieren, obwohl es regnet." Der Gegensatz macht die Bedeutung sichtbar.
Kritik und offene Fragen
- Konsequente Einsprachigkeit kostet Zeit und kann zu Missverständnissen führen, wenn ein Bild mehrdeutig ist.
- Die Übersetzung ist schnell, bleibt aber oft an der Oberfläche und birgt die Gefahr falscher Freunde.
- Abstrakte Begriffe lassen sich schwer visualisieren.
- Ein Wort verstanden zu haben, bedeutet noch nicht, es aktiv verfügbar zu haben: Semantisierung ersetzt das Üben nicht.
Semantisierung mit H5P (ZUM-Apps)
Mit dem freien Autorenwerkzeug H5P lassen sich Semantisierungsübungen erstellen und direkt in ZUM Deutsch Lernen oder über die ZUM-Apps einbinden. Die Inhaltstypen decken die verschiedenen Wege der Bedeutungsvermittlung ab:
- Bild-Hotspots (Image Hotspots oder Image Hotspots ZUM Edition): Auf einem Bild – etwa einer Küche – zeigen anklickbare Punkte einzelne Gegenstände. Beim Klick erscheint das Wort. So wird neuer Wortschatz einsprachig und im Kontext gezeigt.
- Bildpaare und Memory (Image Pairing, Memory Game): Lernende ordnen Bild und Wort einander zu. Die nichtsprachliche Semantisierung wird spielerisch mit einer ersten Festigung verbunden.
- Dialogkarten (Dialog Cards): Zweiseitige Karten zeigen auf der einen Seite ein Bild, eine Umschreibung oder ein Synonym, auf der anderen das gesuchte Wort. Für eine zweisprachige Semantisierung kann die Rückseite die Übersetzung enthalten.
- Lückentext und Wörter markieren (Fill in the Blanks, Mark the Words): Ein Wort wird über den Satzkontext erschlossen, etwa über einen Gegensatz („Es ist nicht warm, sondern ___").
Ein Beispiel: Zum Wortfeld „Wohnung" erstellt die Lehrkraft einen H5P-Bild-Hotspot mit einem Zimmerfoto. Lernende klicken Möbelstücke an und sehen jeweils Wort und Artikel (das Sofa, der Schrank). Anschließend festigt ein Memory mit denselben Bild-Wort-Paaren den neuen Wortschatz.
Da H5P-Inhalte unter einer freien Lizenz erstellt und nachgenutzt werden können, lassen sie sich an die eigene Lerngruppe anpassen, etwa durch den Austausch der Bilder oder das Ergänzen eigener Wörter (siehe Open Educational Resources).
Siehe auch
Literatur
- Storch, Günther (1999): Deutsch als Fremdsprache. Eine Didaktik. München: Fink (UTB).
- Rösler, Dietmar (2012): Deutsch als Fremdsprache. Eine Einführung. Stuttgart/Weimar: Metzler.
