Kommunikativer Ansatz

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Der kommunikative Ansatz (auch kommunikative Didaktik, englisch Communicative Language Teaching, CLT) ist eine Richtung des Fremdsprachenunterrichts, in der die kommunikative Handlungsfähigkeit der Lernenden im Mittelpunkt steht. Ziel ist nicht die möglichst fehlerfreie Beherrschung des Sprachsystems, sondern die Fähigkeit, in realistischen Situationen zu verstehen und sich verständlich zu machen.

Der Ansatz entstand in den 1970er-Jahren als Reaktion auf die Grammatik-Übersetzungsmethode und die Audiolinguale Methode, die Formen und Strukturen in den Vordergrund gestellt hatten. Sprache wird seither als Mittel zur Verständigung verstanden, nicht als reines Regelwissen.

Merkmale

  • Bedeutung und Mitteilungsabsicht haben Vorrang vor der grammatischen Form.
  • Möglichst authentische Situationen, Texte und Sprechanlässe.
  • Lernerorientierung: Themen und Aufgaben knüpfen an Interessen und Bedürfnisse der Lernenden an.
  • Alle vier Fertigkeiten (Hören, Sprechen, Lesen, Schreiben) werden einbezogen.
  • Fehler gelten als normaler Teil des Lernprozesses (siehe Fehlertoleranz).

Bedeutung für den DaF-/DaZ-Unterricht

Der kommunikative Ansatz prägt bis heute die meisten Lehrwerke, Curricula und Prüfungen (etwa die Goethe-Zertifikate). Für die Lehrkraft verschiebt sich die Rolle: Statt Formen zu erklären und abzufragen, schafft sie Sprechanlässe, moderiert und aktiviert. Grammatik und Wortschatz werden nicht abgeschafft, sondern der Kommunikation untergeordnet. Formbezogenes Üben und Automatisieren bereiten die sprachliche Handlungsfähigkeit vor.

Beispiel aus dem Unterricht

Statt der Übung „Konjugieren Sie bestellen in allen Personen" wird eine Situation gestellt: Lernende A hat eine Speisekarte, Lernende B möchte im Restaurant bestellen. Über eine solche Informationslücke (information gap) entsteht echter Redebedarf; die Verbformen werden nebenbei angewendet statt isoliert abgefragt.

Kritik und offene Fragen

  • Ein einseitig verstandener kommunikativer Unterricht kann die formale Korrektheit vernachlässigen; unbearbeitete Fehler können sich verfestigen (siehe Fossilierung).
  • Der Begriff „kommunikativ" ist unscharf und wird sehr unterschiedlich ausgelegt.
  • In der Alphabetisierung und auf niedrigen Stufen stößt reine Kommunikationsorientierung an Grenzen.
  • Nicht in allen Lernkulturen wird ein offener, sprechorientierter Unterricht erwartet oder geschätzt.

Als Weiterentwicklungen gelten die Aufgabenorientierung (Task-Based Language Teaching) und die Handlungsorientierung.

Siehe auch

Literatur

  • Neuner, Gerhard/Hunfeld, Hans (1993): Methoden des fremdsprachlichen Deutschunterrichts. Eine Einführung. Fernstudieneinheit 4. Berlin/München: Langenscheidt.
  • Rösler, Dietmar (2012): Deutsch als Fremdsprache. Eine Einführung. Stuttgart/Weimar: Metzler.

Weblinks