Fehlertoleranz

Aus ZUM Deutsch Lernen

Fehlertoleranz bezeichnet die didaktische Grundhaltung, Fehler als notwendigen und produktiven Bestandteil des Sprachenlernens zu verstehen und nicht als bloßes Versagen. Sie gehört zu den Grundprinzipien des kommunikativen Ansatzes.

Fehler zeigen, welche Regeln eine lernende Person bereits gebildet hat und wo ihre Lernersprache gerade steht. Formen wie gegeht statt gegangen sind oft Übergeneralisierungen einer erkannten Regel und damit ein Zeichen von Fortschritt. Wer aus Angst vor Fehlern nicht spricht oder schreibt, lernt langsamer.

Bedeutung im Unterricht

  • In kommunikativen Phasen hat die Flüssigkeit Vorrang; die Mitteilung soll gelingen, auch wenn die Form nicht vollständig korrekt ist.
  • In formbezogenen Phasen steht die Korrektheit stärker im Vordergrund.
  • Die Fehlerkorrektur erfolgt selektiv und phasengerecht, nicht bei jedem einzelnen Fehler.

Bedeutung für den DaF-/DaZ-Unterricht

Fehlertoleranz betrifft die tägliche Entscheidung der Lehrkraft, wann, was und wie korrigiert wird. Eine wertschätzende Fehlerkultur schützt die Motivation und die Sprechbereitschaft. Die Lehrkraft entscheidet bewusst, welche Fehler lernzielrelevant sind, und trennt Rückmeldungen zur Verständigung von Rückmeldungen zur Form.

Beispiel aus dem Unterricht

Während einer freien Sprechübung unterbricht die Lehrkraft nicht, sondern notiert auffällige Fehler. Im Anschluss werden zwei oder drei typische Fehler anonym an der Tafel gesammelt und gemeinsam berichtigt (verzögerte Korrektur). So bleibt der Redefluss erhalten, und die Korrektur wird trotzdem nicht ausgelassen.

Kritik und offene Fragen

  • Zu weit gefasste Toleranz kann dazu führen, dass sich Fehler verfestigen (siehe Fossilierung).
  • Viele Lernende erwarten unmittelbare Korrektur; ihre Lernkultur oder Prüfungserfahrung kann einer toleranten Haltung widersprechen.
  • Prüfungen bewerten in der Regel die Korrektheit, was im Spannungsverhältnis zur Flüssigkeitsförderung steht.
  • Welche Fehler wann korrigiert werden sollen, ist nicht eindeutig festgelegt und verlangt fachliches Urteil.

Fehlertoleranz bedeutet nicht, Fehler zu ignorieren. Eine lernförderliche Rückmeldung macht die Fehlerstelle sichtbar und hilft der lernenden Person, die eigene Hypothese zu überprüfen.

Siehe auch

Literatur

  • Kleppin, Karin (1998): Fehler und Fehlerkorrektur. Fernstudieneinheit 19. Berlin/München: Langenscheidt.
  • Rösler, Dietmar (2012): Deutsch als Fremdsprache. Eine Einführung. Stuttgart/Weimar: Metzler.

Weblinks