Interkulturelle Kompetenz: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 8. Dezember 2016, 17:41 Uhr

Was ist interkulturelles Lernen?

Beim interkulturellen Lernen werden unterschiedliche, dem Lernenden mehr oder weniger vertraute kulturelle Phänomene in einer Unterrichtseinheit thematisiert, reflektiert sowie verglichen. Dadurch wird nicht nur kulturelles Wissen vermittelt oder Handlungskompetenz entwickelt: Der Unterricht thematisiert auch Einstellungen, Überzeugungen und Wertvorstellungen. Diese können Dimensionen wie z.B. Akzeptanz, Aufgeschlossenheit, Bereitschaft zum kulturellen Perspektivenwechsel, kritische Hinterfragung, Neugier, Reflexion, Sensibilisierung usw. umfassen.

Goethe-Institut: Interkulturelle Kompetenzen im Unterricht

  • Interkulturalität
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Interkulturelle Kompetenz

Ziel des interkulturellen Lernens ist die interkulturelle Kompetenz. Diese Kompetenz wird im Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen beschrieben (GER) beschrieben.

Laut GER sollten die interkulturellen Fertigkeiten umfassen:

  • die Fähigkeit, die Ausgangskultur und die fremde Kultur miteinander in Beziehung zu setzen;
  • kulturelle Sensibilität und die Fähigkeit, eine Reihe verschiedener Strategien für den Kontakt mit Angehörigen anderer Kulturen zu identifizieren und zu verwenden;
  • die Fähigkeit, als kultureller Mittler zwischen der eigenen und der fremden Kultur zu agieren und wirksam mit interkulturellen Missverständnissen und Konfliktsituationen umzugehen;
  • die Fähigkeit, stereotype Beziehungen zu überwinden.

GER, S.106; Quelle

Das Kompetenzstrukturmodell der Kultusministerkonferenz (KMK) beschreibt drei Ziele:

  1. Soziokulturelles Orientierungswissen
  2. Verständnisvoller Umgang mit kultureller Differenz
  3. Praktische Bewältigung interkultureller Begegnungssituationen [1]
  • Video zur Interkulturellen Kompetenz
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Beispiel:

Interkulturelle Kompetenzen umfassen mehr als Wissen und mehr als eine Technik. Sie umfassen auch und vor allem Haltungen, die ihren Ausdruck gleichermaßen im Denken, Fühlen und Handeln und ihre Verankerung in entsprechenden Lebenserfahrungen und ethischen Prinzipien haben.

Interkulturelle Kompetenzen beinhalten Einsicht in die Kulturabhängigkeit des eigenen Denkens, Handelns und Verhaltens sowie die Fähigkeit und Bereitschaft zur Wahrnehmung und Analyse fremdkultureller Perspektiven.


Bildungsstandards für die erste Fremdsprache (Englisch/Französisch) für den Hauptschulabschluss, S. 14; Quelle


Lernziele der interkulturellen Kompetenz

Affektive

Kognitive

Handlungsorientierte

Didaktische Phasen

Quelle leicht verändert: [2]

Die Motivierungs- und Aktivierungsphase

  • Vorwissen aktivieren
  • Reaktionen auf ein Impuls formulieren
  • Fragen formulieren
  • Fragen beantworten

Thematische Differenzierungsphase

  • Perspektiven sichtbar machen
  • Thema verdeutlichen, abgrenzen

Strukturelle Differenzierungsphase

  • Auswahl verschiedener Hilfsmittel zur Bearbeitung der Aufgaben (Informationsquellen, Methoden, Techniken und Strategien für den vertiefenden Umgang mit dem Thema)

Expansionsphase

  • thematische Differenzierung weiterentwickeln in Bezug auf Information, Spezifik und/oder Perspektive
  • inhaltliche Diskussion auf höherer Ebene führen
  • Vergleiche und Reflexionen initiieren
  • die Schüler mit der Vielfalt der Aspekte vertraut machen

Integrationsphase

  • das zuvor erreichte Diskussions- und Wissensniveau in einer weiteren, deutlich kontroverseren Perspektive gegenüberstellen (von Klassenstufe/Thema abhängig)
  • eigene Ansichten selbstsicher und ausdruckssicher vertreten

Inhalte interkulturellen Lernens

nach [3]

  • Alltagsthemen, Routinen
  • Bedeutungserwerb
  • Stereotype und Vorurteile
  • Raum und Zeit
  • Kommunikative Stile
  • Interkulturelle Missverständnisse
  • Fiktionale Texte


Aufgaben- und Übungstypologie zum Interkulturellen Lernen

Quellen: [4] [5]

Aufgaben und Übungen zur Wahrnehmungsschulung

  • freie Assoziationen zu Bildern
  • detaillierte Beschreibungen von Bildern oder Filmsequenzen (Sensibilisierung für eigene Wahrnehmungs- und Verstehensprozesse)
  • Was nehme ich als erstens wahr?
  • Welche visuellen Reize interpretiere ich wie?
  • Inwieweit hängen meine Interpretationen mit meiner Kultur zusammen?
  • Hypothesenbildung zu Handlungsabläufen von Bildgeschichten o. Filmsequenzen: (Verdeutlichung des Prozess der Herstellung von Ursache- Wirkungszusammenhangen allgemein und deren Kulturabhängigkeit)
  • Bildbeschreibungen im bewussten "klassischen" Dreischritt: (eigene kulturelle Prägung bewusst machen)
  1. „wahrnehmen/beschreiben,
  2. Hypothesen bilden,
  3. persönliche Eindrucke formulieren“,
  • Die gleiche Geschichte aus verschiedenen Perspektiven erzählen lassen (Bedeutung der unterschiedlichen Stadtpunkte verdeutlichen)
  • Übungen zu Sinnestäuschungen, um sich einzelner Sinne bewusster zu werden.
  • Diskussionen über Geschichten aus anderen Kulturen, um Grenzen der eigenen Erfahrungen und/oder des eigenen Wissens zu erkennen.
  • Szenische Darstellung von "typisch deutschen Eigenschaften" (kleine Situation szenisch darstellen, die anderen sollen erraten, um welche Eigenschaft es sich handelt)

Aufgaben zur Begriffsbildung und Bedeutungserschließung

(Aufgaben und Übungen zur Sprachreflexion)

  • Untersuchung eines Wort- oder erweiterten Begriffsfeldes
  • Bedeutungskollagen aus Bildern (Begriffsvernetzungen visuell darstellen)

Aufgaben zum Kulturvergleich

  • Literarische Texte oder Filme als Zugang zu einer fremden Welt / Analyse von Alltagssituationen in diesen Werken, Kontrastierung
  • Analyse von kulturspezifischen Werten in Werbung
  • Recherchen oder Befragungen zu Zeit- und Raumkonzepten, Aspekten des Alltagslebens im Internet oder wenn möglich mit Vertretern der Zielsprache/ Zielkultur
  • Rollenspiele, Diskussionen zu Situationen, bei denen sich die Lernenden aus einer Auswahl von möglichen Verhaltensweisen für die kulturell angemessenste entscheiden sollen. Die Darstellung von Lösungsmöglichkeiten kann kulturspezifische Verhaltensweisen bewusst machen und kontrastiert werden.
  • Sammeln und diskutieren von Redewendungen, die häufig zu interkulturellen Missverständnissen führen.

Aufgaben zur Entwicklung kommunikativer Kompetenz in interkulturellen (Kontakt-)Situationen

Typisch Deutsch - Umgang mit der Zeit

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Typisch Deutsch - Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps

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Deutschlandlabor: Mentalität

Weiterführende Links

Der Referenzrahmen für plurale Ansätze zu Sprachen und Kulturen (REPA)

  • Die REPA-Deskriptoren der "weichen Kompetenzen" : eine praktische Handreichung für den kompetenzorientierten Unterricht zur Förderung von Sprachlernkompetenz, interkulturellem Lernen und Mehrsprachigkeit (PDF), Creative Commons - Namensnennung, Nicht kommerziell, Keine Bearbeitung (3.0), Publikationsdatum: 27.05.2013 -> Es ist eine für die Praxis des Unterrichts adaptierte Fassung des Referenzrahmens für plurale Ansätze zu Sprachen und Kulturen (REPA 2007).

Weitere Links

Materialien

Einzelnachweise

  1. Bildungsstandards für die erste Fremdsprache (Englisch/Französisch) für den Hauptschulabschluss, S. 8; Quelle
  2. https://zif.spz.tu-darmstadt.de/jg-14-2/docs/HoelscherRocheSimic.pdf
  3. Bechtel, Mark. (2003). Interkulturelles Lernen beim Sprachenlernen im Tandem. Eine diskursanalytische Untersuchung (Giessener Beiträge zur Fremdsprachendidaktik). Tübingen: Narr, 50 ‐ 87
  4. Bachmann, S., Gerhold S., Wessling G. Aufgaben- und Übungstypologie zum interkulturellen Lernen mit Beispielen aus Sichtwechsel – neu, in: Zielsprache Deutsch 27(2). 1996, S. 77-91.
  5. http://www.arch.kyrlibnet.kg/uploads/KGUSTA.BEISCHEBAEVA%20J.A.,AGYBAEVA%20J.B..pdf