Interferenz
Interferenz bezeichnet den Einfluss einer bereits beherrschten Sprache auf die Zielsprache, der zu Fehlern führt. Meist wirkt die Erstsprache auf das Deutsch ein, es können aber auch weitere gelernte Sprachen beteiligt sein.
Interferenz zeigt sich auf verschiedenen Ebenen:
- Aussprache: Laute der Erstsprache werden auf das Deutsche übertragen.
- Wortschatz: Falsche Freunde wie englisch become und deutsch bekommen.
- Grammatik: Satzstellung oder Artikelgebrauch der Erstsprache werden übernommen.
Bedeutung für den DaF-/DaZ-Unterricht
Wer die Herkunftssprachen der Lerngruppe kennt, kann typische Interferenzfehler besser deuten und vorbeugen. Kontrastives Arbeiten (der bewusste Vergleich beider Sprachen) macht Unterschiede sichtbar. Im Sinne der Fehlertoleranz werden solche Fehler als Lernschritte verstanden; die Mehrsprachigkeit der Lernenden gilt dabei als Ressource, nicht als Störung.
Beispiel aus dem Unterricht
Englischsprachige Lernende sagen „Ich bekomme einen Arzt" für I become a doctor, weil sie das englische become mit dem ähnlich klingenden deutschen bekommen gleichsetzen. Gemeint ist aber „Ich werde Arzt" (bei Berufen ohne Artikel). Die Lehrkraft stellt das Begriffspaar bewusst gegenüber: become = werden, bekommen = to get, to receive. Niederländischsprachige Lernende sagen „Ich belle dich heute Abend" für ik bel je vanavond; im Niederländischen bedeutet bellen „telefonieren, klingeln", im Deutschen dagegen das Lautgeben eines Hundes. Gemeint ist „Ich rufe dich heute Abend an". Bei romanischen Erstsprachen tritt häufig Interferenz beim Genus und beim Artikelgebrauch auf.
Kritik und offene Fragen
- Nicht jeder Fehler ist eine Interferenz. Viele Fehler sind Entwicklungsfehler oder Übergeneralisierungen, die unabhängig von der Erstsprache auftreten.
- Die frühere Kontrastivhypothese überschätzte die Vorhersagekraft des Sprachvergleichs: Viele vorhergesagte Fehler bleiben aus, andere treten unerwartet auf.
- Der Einfluss anderer Sprachen ist nicht nur negativ; positiver Transfer erleichtert das Lernen.
- Ein reiner Blick auf Interferenz kann in eine Defizitperspektive führen und die Ressourcen der Mehrsprachigkeit übersehen.
Siehe auch
Literatur
- Kleppin, Karin (1998): Fehler und Fehlerkorrektur. Fernstudieneinheit 19. Berlin/München: Langenscheidt.
- Rösler, Dietmar (2012): Deutsch als Fremdsprache. Eine Einführung. Stuttgart/Weimar: Metzler.
