Hilbert Meyer
Hilbert Meyer (* 1941; † 17. Dezember 2025) war ein deutscher Erziehungswissenschaftler. Er war von 1975 bis zu seiner Emeritierung 2009 Professor für Schulpädagogik an der Universität Oldenburg und zählte zu den bekanntesten deutschsprachigen Autoren zur Unterrichtsdidaktik. Große Verbreitung fanden seine Zehn Merkmale guten Unterrichts, die er in dem Band Was ist guter Unterricht? (2004) zusammengefasst hat. Die Merkmale verbinden Ergebnisse der empirischen Unterrichtsforschung mit didaktischen Qualitätskriterien und dienen als Orientierungsraster für Planung und Reflexion von Unterricht – auch im Fach Deutsch als Fremd- und Zweitsprache.
Die zehn Merkmale guten Unterrichts
- Klare Strukturierung des Unterrichts – erkennbarer roter Faden, funktionierendes Classroom-Management.
- Hoher Anteil echter Lernzeit – möglichst viel Zeit für die eigentliche Arbeit am Lerngegenstand.
- Lernförderliches Klima – gegenseitiger Respekt, verlässliche Regeln, gemeinsame Verantwortung.
- Inhaltliche Klarheit – verständliche Aufgabenstellungen, plausible Themenstruktur, klare Ergebnissicherung.
- Sinnstiftendes Kommunizieren – Lernende erkennen den Sinn des Lernens und bringen eigene Anliegen ein.
- Methodenvielfalt – abwechslungsreiche Verlaufsformen, Sozialformen und Handlungsmuster.
- Individuelles Fördern – Rücksicht auf unterschiedliche Voraussetzungen, gezielte Unterstützung.
- Intelligentes Üben – passende Übungsaufgaben, Übungsstrategien und regelmäßige Wiederholung.
- Transparente Leistungserwartungen – klare, nachvollziehbare Anforderungen und Rückmeldungen.
- Vorbereitete Umgebung – geordneter Raum, gut verfügbare Materialien und Werkzeuge.
Relevanz für DaF und DaZ
Die Merkmale sind fachunabhängig formuliert, lassen sich aber unmittelbar auf den DaF- und DaZ-Unterricht beziehen:
- Lernförderliches Klima ist im Sprachunterricht besonders wichtig, weil Sprechhemmung und Angst vor Fehlern den Spracherwerb bremsen. Ein wertschätzendes Klima senkt den affektiven Filter und fördert mündliche Beteiligung.
- Individuelles Fördern trägt der oft sehr heterogenen Zusammensetzung von DaF- und DaZ-Gruppen Rechnung (unterschiedliche Herkunftssprachen, Vorkenntnisse und Lernbiografien) und verweist auf Binnendifferenzierung und Lernerorientierung.
- Intelligentes Üben entspricht dem hohen Stellenwert der Automatisierung sprachlicher Strukturen; sinnvolles, variantenreiches Üben verhindert stures Wiederholen.
- Sinnstiftendes Kommunizieren deckt sich mit der Handlungsorientierung und Aufgabenorientierung: Sprache wird in bedeutungsvollen Situationen verwendet, nicht nur isoliert geübt.
- Methodenvielfalt und hoher Anteil echter Lernzeit unterstützen eine hohe Sprechzeit pro Lernenden und den Wechsel der Sozialformen.
- Transparente Leistungserwartungen lassen sich gut mit der Kompetenzstufung des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens verbinden und stützen die Kompetenzorientierung.
Die Merkmale eignen sich damit als Reflexionsraster für die Unterrichtsplanung und für die Bewertung von Methoden und Werkzeugen im DaF- und DaZ-Unterricht, etwa des Glücksrads.
Literatur
- Meyer, Hilbert (2004): Was ist guter Unterricht? Berlin: Cornelsen Scriptor.
Weblinks
- Guter Unterricht auf ZUM-Unterrichten
