Brainstorming

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Brainstorming ist eine von Alex F. Osborn 1939 entwickelte und von Charles Hutchison Clark modifizierte Methode zur Ideenfindung, die die Erzeugung neuer, ungewöhnlicher Ideen in einer Gruppe fördern soll.[1] Der Name geht auf die Vorstellung zurück, das Gehirn zu benutzen, um ein Problem zu stürmen (using the brain to storm a problem). Als deutsche Übersetzungsvorschläge nennt Hilbert Meyer in seinem Werk Unterrichtsmethoden den Begriff „Kopfsalat", der Verein Deutsche Sprache schlägt „Denkrunde" oder „Ideensammlung" vor.[2]

Niveau ab A2 (Wortschatzsammlung), freie Ideenäußerung eher ab B1
Sozialform Gruppe/Plenum
Zeitbedarf ca. 5–30 Minuten für die eigentliche Ideensammlung
Material Tafel, Plakat oder digitales Whiteboard, ggf. Moderationskarten
Fertigkeit(en) Wortschatz, Sprechen
Auch für sprachlich heterogene Regelklassen Ja, mit Sprachhilfen (siehe unten)

Kurzbeschreibung

Eine Gruppe sammelt in kurzer Zeit möglichst viele, auch ungewöhnliche Ideen zu einer Fragestellung. Dabei gelten vier Grundregeln: Bereits geäußerte Ideen dürfen aufgegriffen und kombiniert werden, Kommentare, Korrekturen und Kritik sind während der Sammelphase verboten, es sollen viele Ideen in kurzer Zeit entstehen, und freies Assoziieren ist ausdrücklich erlaubt.[3]

Ablauf/Durchführung

  • Die Gruppenleitung führt in das Problem ein und formuliert eine Frage- oder Aufgabenstellung, die weder zu allgemein noch zu kleinteilig ist.
  • In der Sammelphase (ca. 5–30 Minuten) nennen die Teilnehmenden spontan Ideen; diese werden protokolliert, ohne bewertet oder kommentiert zu werden.
  • Nach einer Pause werden die gesammelten Ideen gemeinsam vorgelesen, bewertet und sortiert; problemferne Ideen werden aussortiert.[4]

Im Fremdsprachenunterricht

Im DaF-/DaZ-Unterricht wird Brainstorming zur Vorentlastung von Texten, Hörtexten und Seh-/Hörmedien genutzt, ebenso zur Vorbereitung von Schreibaktivitäten wie kreativem Schreiben oder Erörterungen.

Bedeutung für den DaF-/DaZ-Unterricht

Brainstorming aktiviert vor einer neuen Aufgabe gezielt vorhandenen Wortschatz und Vorwissen zu einem Thema, sodass anschließende Texte oder Höraufgaben leichter zugänglich sind. Weil in der Sammelphase ausdrücklich keine Korrektur erfolgt, ist die Methode besonders fehlertolerant: Es zählt die Menge der Beiträge, nicht deren sprachliche Korrektheit. Das senkt die Hemmschwelle, sich auch mit noch unsicherem Wortschatz zu beteiligen.

Sprachsensibler Einsatz in heterogenen Regelklassen

  • Sprachliche Vorentlastung: vor dem Brainstorming einen kleinen Wortspeicher mit thematisch naheliegenden Begriffen bereitstellen, an dem sich unsichere Lernende orientieren können.
  • Trennung von Inhalt und Sprache: einzelne Wörter oder auch Bilder als Beitrag zulassen, statt ganze Sätze zu verlangen.
  • Heterogene Gruppenbildung: bei der anschließenden Sortierung der Ideen in gemischten Kleingruppen arbeiten, damit sprachlich stärkere Lernende beim Formulieren von Oberbegriffen unterstützen können.
  • Visualisierung: Ideen zusätzlich zum Stichwort mit einem kleinen Symbol oder Bild an der Tafel festhalten.
  • Beispiele für sprachlich gestufte Aufgabenstellungen zu verschiedenen Unterrichtsthemen:
Unterrichtsthema Einfache Formulierung Erweiterte Formulierung
Vorentlastung Lesetext „Umzug" einzelne Wörter zum Thema Umzug nennen (Kisten, Möbel, LKW) einen kurzen Satz mit dem genannten Wort bilden
Vorbereitung Erörterung „Handyverbot in der Schule" Pro- oder Contra-Stichwort nennen Stichwort mit einem weil-Satz begründen

Beispiele aus dem DaF-/DaZ-Unterricht nach Niveau

Niveau Thema Sprachliche Mittel Konkretes Beispiel
A2 Vorentlastung vor einem Lesetext zum Thema „Wohnen" einzelne Nomen mit Artikel Vor dem Lesen sammelt die Klasse an der Tafel alle Wörter, die ihr zum Thema „Wohnen" einfallen.
ab B1 Vorbereitung einer schriftlichen Erörterung Pro-/Contra-Argumente, Begründungen Die Klasse sammelt in zwei Spalten Pro- und Contra-Argumente zu einer These, bevor die eigentliche Erörterung geschrieben wird.

Varianten

  • Brainwriting: schriftliche statt mündliche Ideensammlung, besser geeignet für stillere Lernende oder Gruppen mit Spannungen.
  • Brainwalking: Ideensammlung in Bewegung an im Raum verteilten Plakaten mit unterschiedlichen Fragestellungen.
  • ABC-Brainstorming: Zu jedem Buchstaben des Alphabets wird ein passender Begriff gesucht; geeignet, wenn das gewöhnliche Brainstorming stockt oder ein erster Wortschatzüberblick zu einem Thema entstehen soll.[5]

Kritik/Grenzen

  • Mehrere Studien deuten darauf hin, dass klassisches Gruppen-Brainstorming weniger effektiv sein kann als Einzelarbeit, unter anderem wegen sogenannter Produktionsblockierung: Teilnehmende müssen warten, bis andere ausgeredet haben, was die eigene Ideenfindung hemmt.[6]
  • Der Erfolg hängt stark von der Zusammensetzung und Dynamik der Gruppe ab; dominante Teilnehmende können ruhigere blockieren.
  • Ohne anschließende Sortierung und Auswertung bleibt Brainstorming reines Sammeln ohne Lernertrag.

Digitale Tools

Brainstorming braucht kein digitales Tool – Tafel, Plakat oder Moderationskarten reichen aus. Für eine digitale, gemeinsam bearbeitbare Fläche gibt es mehrere Angebote, die sich in Kosten, Registrierungspflicht und Datenschutz deutlich unterscheiden. Die folgende Übersicht nennt bewusst beide Gruppen – nicht-kommerzielle/datensparsame Angebote ebenso wie kommerzielle Tools mit Registrierung –, damit Lehrkräfte selbst und informiert entscheiden können. Vor dem Einsatz an einer Schule sollte zusätzlich immer die jeweils aktuelle Handreichung der zuständigen Datenschutzaufsicht geprüft werden.

Tool Anbieter/Sitz Kosten Registrierung Datenschutz-Einschätzung
ZUMPad ZUM e. V., Deutschland kostenlos keine, weder für Lehrkraft noch Lernende ZUM-eigenes Angebot, unkompliziert
Mindwendel (kits) Niedersächsisches Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ) kostenlos keine, weder für Lehrkraft noch Lernende staatliches, non-profit Bildungsangebot, deutsche Server, keine personenbezogenen Daten nötig[7]
ONCOO – Kartenabfrage Olaf Müller/Thomas Rohde, Deutschland (privates, gewinnfreies Projekt aus der Lehrer:innenausbildung Osnabrück) kostenlos keine, weder für Lehrkraft noch Lernende deutscher Server, bewusst ohne Login konzipiert, keine Weitergabe an Dritte; ausdrücklich als Brainstorming-Werkzeug gelistet[8]
AnswerGarden Creative Heroes, Niederlande kostenlos, werbefinanziert keine, weder für Lehrkraft noch Lernende EU-Anbieter, aber mit Werbeeinblendungen (Google Ad Network)[9]
Taskcards dSign Systems GmbH, Deutschland kostenlos bis 3 Pinnwände, sonst kostenpflichtig Lehrkraft ja, Lernende in der Regel nein deutsche Server, von mehreren Landesdatenschutzbeauftragten als DSGVO-konforme Padlet-Alternative genannt[10]
Conceptboard Deutschland kostenlose Basisversion, ohne Vertragsbindung Lehrkraft ja deutsche Server, DSGVO-konform, ISO-27001-zertifiziert; eher auf Unternehmen als auf Schule zugeschnitten[11]
Flinga Nordtouch, Finnland kostenlos bis 5 Boards, sonst kostenpflichtig Lehrkraft ja (Name, E-Mail, Institution), Lernende nein EU-Anbieter[12]
Mentimeter Mentimeter AB, Schweden (mit US-Subauftragsverarbeitern) kostenlos mit Einschränkungen Lehrkraft ja, Lernende nein (Beitritt per Code) Datenverarbeitung teils über US-Dienstleister, im Gratistarif Wiederverwendung anonymisierter Fragen möglich – für sensible Inhalte ungeeignet[13]
Miro Miro/RealtimeBoard Inc., USA kostenlose Basisversion Lehrkraft ja Standardmäßig US-Server (AWS USA); für kostenlose Schulkonten wird eine EU-Datenverarbeitung zugesagt, aber nicht unabhängig verifiziert[14]
Padlet Padlet Inc., USA kostenlos mit Einschränkungen Lehrkraft ja von mehreren deutschen Datenschutzaufsichten (u. a. Hessen, NRW) als nicht DSGVO-konform kritisiert; einzelne Bundesländer raten Schulen von der Nutzung ab[15]
scrumblr.ca quelloffenes Projekt, gehostete Instanz in Kanada kostenlos keine Anbieter außerhalb der EU, Wartungs- und Datenschutzstatus der konkreten Instanz nicht abschließend geklärt
Jamboard (Google) Google, USA von Google zum 31.12.2024 eingestellt, nicht mehr verfügbar

Siehe auch

Literatur

  • Osborn, Alex F. (1957): Applied Imagination. New York: Charles Scribner's Sons. (Originalquelle der Methode; Inhalt hier nicht im Volltext geprüft, nur bibliografisch über die deutsche Wikipedia bestätigt.)
  • Clark, Charles Hutchison (1989): Brainstorming: How to Create Successful Ideas. Wilshire Book Company. ISBN 0-87980-423-8. (ebenfalls nur bibliografisch bestätigt.)
  • Meyer, Hilbert (1987): Unterrichtsmethoden. Band II, 1. Auflage. Frankfurt am Main. (Quelle für den deutschen Übersetzungsvorschlag „Kopfsalat".)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Vgl. Brainstorming, Wikipedia; abgerufen am 14.08.2026.
  2. Hilbert Meyer: Unterrichtsmethoden. Band II, 1. Auflage, Frankfurt am Main 1987; zitiert nach Brainstorming, Wikipedia; abgerufen am 14.08.2026.
  3. Vgl. Brainstorming, Wikipedia, Abschnitt „Grundregeln"; abgerufen am 14.08.2026.
  4. Vgl. Brainstorming, Wikipedia, Abschnitt „Ablauf"; abgerufen am 14.08.2026.
  5. Vgl. Brainstorming, Wikipedia, Abschnitt „Varianten"; abgerufen am 14.08.2026.
  6. Vgl. Brainstorming, Wikipedia, Abschnitt „Kritik"; abgerufen am 14.08.2026.
  7. Vgl. kits App-Launcher und Datenschutzerklärung kits; abgerufen am 14.08.2026.
  8. Vgl. ONCOO – online kooperieren, Abschnitte „Kartenabfrage" und „Umgang mit Daten"; abgerufen am 14.08.2026.
  9. Vgl. AnswerGarden – Datenschutz-Check, datenschutz-schule.info; abgerufen am 14.08.2026.
  10. Vgl. „Alternative zu Padlet? TaskCards – DSGVO-konforme Pinnwand"; abgerufen am 14.08.2026.
  11. Vgl. „Datensicherheit bei Conceptboard"; abgerufen am 14.08.2026.
  12. Vgl. Flinga – Datenschutz-Check, datenschutz-schule.info; abgerufen am 14.08.2026.
  13. Vgl. Mentimeter – Datenschutz-Check, datenschutz-schule.info; abgerufen am 14.08.2026.
  14. Vgl. Miro – Datenschutz-Check, datenschutz-schule.info; abgerufen am 14.08.2026.
  15. Vgl. „Kein ausreichender Datenschutz bei der Nutzung von Padlet", datenschutz.hessen.de; abgerufen am 14.08.2026.